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23.07.2010, 02:25 Uhr | Berliner Morgenpost/ Christina Brüning und Steffen Pletl Übersicht | Drucken
Polizei zählt jeden Tag 1276 Straftaten
Kriminalitätsstatistik

Die Zahl der kriminellen Straftaten ist im ersten Halbjahr dieses Jahres weiter gesunken. Das belegt die jetzt von der Polizei vorgelegte Halbjahresbilanz für die Hauptstadt. Demnach sind seit Jahresbeginn 231 052 Straftaten registriert worden. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch 240 685.

Damit kommen täglich etwa 1276 Straftaten vom Taschendiebstahl bis hin zur schweren Körperverletzung oder auch Mord zur Anzeige.

Besonders deutlich ist laut Statistik der Rückgang bei den Straftaten, die durch jugendliche Gruppen begangen wurden. Hier verbuchen die Statistiker einen Rückgang um 14,9 Prozent auf 1 388 Fälle. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) führt den Rückgang auf das eigens initiierte Intensivtäterprogramm zurück. Dabei werden jugendliche Straftäter schneller verurteilt und bestraft. Zudem würden die betroffenen Jugendlichen aus ihrem sozialen Umfeld herausgelöst. Weiterhin sieht der Innensenator in den verstärkten Präventionsveranstaltungen der Polizei einen Faktor, der zum Rückgang der Kriminalität geführt hat. "Und nicht zuletzt wirkt sich auch die demografische Entwicklung auf die Jugendkriminalität aus. Denn es gibt immer weniger Jugendliche."

Indes ist Anzahl der gestohlenen Autos erneut um 2,2 Prozent auf 3 188 gestiegen. Und dies, obwohl die Polizei bereits seit Beginn des vergangenen Jahres verstärkt operative Maßnahmen zur Bekämpfung des Pkw-Diebstahls durchführt, woraus sich auch diverse Ermittlungserfolge ergeben hätten. Erst am 5. Juli hatte die Polizei 14 richterliche Durchsuchungsbeschlüsse wegen Verdachts der gewerbsmäßigen Bandenhehlerei in Büros, Garagen und Wohnungen vollstreckt, Beweismittel sichergestellt und einen Tatverdächtigen festgenommen.

Auch im Bereich des öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist ein Rückgang der Straftaten um 3,9 Prozent zu verzeichnen, vorwiegend bei Sachbeschädigung und Farbschmierereien. Die Zahl der im ÖPNV angezeigten Straftaten sank von Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 4 482 Fällen auf 3 737. Besonders günstig entwickelte sich die Zahl der Rauschgiftdelikte im Nahverkehr. Laut Statistik sind derartige Delikte von 1003 auf 833 gesunken, also um 16,9 Prozent.

Der Fahrraddiebstahl ging um 9 Prozent von 1 153 auf 1 049 Fälle zurück, bei Körperverletzungen um 4,7 Prozent von 2 427 auf 2 313 Taten. Indes wurde in den öffentlichen Verkehrsmitteln eine Zunahme von Taschendiebstahl registriert. So kamen im ersten Halbjahr 3 303 Delikte zur Anzeige, sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der SPD-Abgeordnete Tom Schreiber sagte gestern: "Die Zahlen zeigen, dass Maßnahmen von Intensivtäterprogrammen bis hin zu Videoüberwachung im ÖPNV und Schutzkabinen für die Fahrer in den Bussen Wirkung zeigen. Man kann sich über die Zahlen freuen, aber eine Entwarnung darf es nicht geben."

"Das subjektive Sicherheitsgefühl sieht anders aus", sagt Peter Trapp (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses des Abgeordnetenhauses. Er warnt vor Augenwischerei: "Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Wenn man nicht kontrolliert, sinkt auch die Zahl der Straftaten, die von der Polizei festgestellt werden", so Trapp.

(Erschienen in der Berliner Morgenpost, Ausgabe vom 23.07.2010)



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